Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Deutscher Gehörlosen-Bund e.V.Projekt Katastrophenschutz

Unwetter oder Gefahren drohen – und taube Menschen stehen im Regen!
Es besteht dringender Handlungsbedarf beim Katastrophenschutz.
Mehr Informationen finden Sie in der Pressemitteilung und im Gebärdensprachvideo.

Die Deutsche Gesellschaft der Hörgeschädigten-Selbsthilfe und Fachverbände, der Deutsche Schwerhörigenbund und der Deutsche Gehörlosen-Bund arbeiten derzeit gemeinsam am Projekt „Katastrophenschutz“ für hörbehinderte Menschen. Dafür möchten wir Informationen, Daten und Material sammeln.

Mehr in der Pressemitteilung

Gebärdensprachvideo von Wolfgang Bachmann, Beisitzer im Präsidium des Deutschen Gehörlosen-Bundes:

Der Text zum Gebärdensprachvideo:

Hallo mein Name ist Wolfgang Bachmann. Ich bin Beisitzer im Präsidium des Deutschen Gehörlosen-Bundes.

Die Deutsche Gesellschaft, der Deutsche Schwerhörigen-Bund und der Deutsche Gehörlosen-Bund arbeiten derzeit gemeinsam am Projekt „Katastrophenschutz“ für Hörbehinderte.
Wir möchten Informationen, Daten und Material sammeln.

Wir möchten aufzeigen, was es bedeutet, wenn eine Hörschädigung vorliegt im Zusammenhang mit dem Thema Katastrophenschutz z.B. fehlen Gesetze für Gehörlose und Schwerhörige. Sie können beispielsweise nicht die Radiodurchsagen hören, bei den Fernsehsendungen gehen Informationen durch fehlende Untertitel bzw. Einblendung von Dolmetschern verloren.
Im Falle z.B. eines Hochwassers mit Sturmwarnung müssen viele Orte schnell evakuiert werden. Die Menschen mit Hörbehinderung können aber die Alarmsirenen nicht hören und verpassen diesen Alarm. Auch von den Polizeiwägen, die mit laufenden Sirenen durch die Straßen fahren, bekommen die Gehörlosen bei sich zuhause nichts mit.

2002 gab es in Dresden ein furchtbares Hochwasser und bedrohte die ganze Stadt. Polizeiwägen mit Sirenen und leuchtenden Warnschildern fuhren durch die Straßen, denn die Bewohner mussten bis 18 Uhr evakuiert werden. Die hörenden Bewohner hörten die Sirenen, wussten Bescheid und verließen in Scharen ihre Häuser.
Einige Gehörlose saßen zuhause im Wohnzimmer vor dem Fernseher und erfuhren mit Schrecken von dem Hochwasser. Sie hatten nichts mitbekommen. Aber Gehörlose müssen auch informiert werden in einer derartigen Situation. Auf einmal wird es dunkel in der Wohnung, der Strom wurde abgestellt, der Fernseher geht aus, die Wasserleitungen funktionieren nicht mehr, das Fax geht nicht mehr und die Gehörlosen hatten keine Ahnung was gerade passiert. Das Hochwasser überflutet die Straßen, kommt immer näher und steigt immer höher und die Gehörlosen stehen voller Panik in ihrer Wohnung.
Das ist alles schon passiert.

Deshalb bitte ich alle gehörlosen Betroffenen, die etwas Derartiges erlebt haben, mir Informationen über ihre Erlebnisse zu schicken. Gerne auch als DGS-Videos oder schriftlich. Bitte erzählt mir von euren Erfahrungen z.B. wenn ihr die Polizeiwägen gesehen habt ohne die Sirenen zu hören, oder wenn ihr alle durchgegebenen Warnungen verpasst habt und euch niemand Bescheid gegeben hat oder ihr z.B. keine Information über die Sturmwarnung bekommen habt. Bitte schickt mir alle eure Erfahrungen.

Das gilt auch für alle Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Notruf z.B. wenn ihr einen Verkehrsunfall hattet und dann nicht wusstet wie ihr jemanden benachrichtigen sollt. Neulich hat mir eine gehörlose Frau berichtet, dass sie einen Verkehrsunfall im Wald hatte. Sie hatte einen Auffahrunfall und ihr Fahrzeug war nicht mehr verkehrstüchtig. Sie konnte nichts machen außer zu warten, da sie niemanden anrufen konnte. Niemand reagierte auf ihre SMS, weil diejenigen nicht mitbekamen, dass sie versucht hatte sie per SMS zu erreichen. Sie ist gehörlos und wusste einfach nicht was sie machen soll. Sie konnte keinen Notruf absetzen und musste 2,5 Stunden von 2 Uhr bis halb 5 Uhr morgens alleine im Wald warten. Um die Uhrzeit war noch nichts los, kein Verkehr. Endlich kam dann das erste Auto und der Fahrer konnte ihr helfen. Um 2 Uhr morgens alleine im Wald zu stehen, das ist doch eine furchtbare Vorstellung. Zum Glück war es nicht so kalt, es kam kein Sturm auf und es entstanden sonst keine weiteren Probleme. Aber was wäre, wenn die gehörlose Frau selbst verletzt gewesen wäre und hätte dann 2-3 Stunden dort ausharren müssen? Das ist doch schrecklich! Wenn ihr so etwas erlebt habt, schickt mir bitte eure Erfahrungen. Es besteht Datenschutz, alles ist anonym. Ihr müsst auch nicht eure Namen nennen, nur eure Erlebnisse schildern. Das war es schon.
Vielen Dank für eure Mitarbeit und eure Geschichten.

Vielen Dank.

Tschüß!